Wie haben Sie gemerkt, dass sie mehr sehen können als andere?
Bereits als kleiner Junge habe ich sehr viel gespürt und wahrgenommen. Diese Wahrnehmung habe ich im Laufe der Zeit weiterentwickelt und verfeinert, bis ich Energien und deren Wechselwirkungen sehen konnte. Im Nachhinein ist es sehr spannend für mich zu sehen, dass ich mir nie bewusst war, dass andere Menschen nicht das Gleiche sehen wie ich, da es für mich immer irgendwie eine Selbstverständlichkeit war.
Da ich in einem Umfeld aufgewachsen bin, in welchem das Sehen und Spüren von Energien nie ein Thema war, habe ich mich als Kind nie wirklich mit dieser Fähigkeit auseinandergesetzt. Der Einstieg in das Sehen und Spüren von Energien war für mich mit 16 Jahren, als ich mich mit der Traumdeutung auseinander setzte. Es fiel mir sehr leicht, die Zusammenhänge zu erkennen und schnell bemerkte ich, dass bei der Traumdeutung die Symbole nur eine untergeordnete Rolle spielten.
Mit meiner Wahrnehmung konnte ich Träume von mir und von anderen besser interpretieren als mit den Symbolen, die mir oftmals auch eher verwirrend vorkamen. Einige Zeit später habe ich einen Kurs im Handauflegen besucht. Wiederum merkte ich sehr schnell, dass dabei etwas nicht stimmen konnte, da meine eigenen Energien sich zu verändern begannen. Ich habe bemerkt, dass mein Energiefeld meine eigene Lebenskraft automatisch an andere weiter gab.
Dies hat mich von Anfang an sehr gestört, da dies nicht der Sinn hinter einer seriösen Energiearbeit sein konnte. Als ich den Mechanismus der Energiegabe betrachtete, habe ich für mich gesehen, dass ich bald zu wenig Energie für mein eigenes Leben haben würde, wenn ich fortlaufend meine eigene Kraft weitergebe.
Ein weiterer Punkt, den ich gesehen habe ist, dass die Menschen, denen ich meine Energie gegeben habe, es wohl besser gegangen ist, doch dies aufgrund meiner Energie und nicht wegen Ihnen selber. Ich empfand das nicht wirklich als eine Hilfe. Ich wollte, dass die Menschen aus eigener Kraft wieder in ihre eigene Stärke und Kraft finden. Dies waren die Anfänge meiner Energiearbeit.
Dann haben Sie Ihre Tätigkeit nicht in Kursen gelernt?
Ja, das ist richtig. In den vielleicht vier Kursen, die ich besucht habe, habe ich für mich gelernt, wie ich es sicher nicht machen möchte. Zum Beispiel wurde uns beim Training der Wahrnehmung beigebracht, alles in sich aufzunehmen und dadurch zu spüren. Für mich war dies nie eine gute Option, denn wenn ich Energie in mich aufnehme, vermischt sich meine Energie mit der Energie die ich betrachte und das gibt aus meiner Sicht ein verzerrtes Bild. Ich habe für mich selber eine sehr schnelle Wahrnehmung.
Dies beruht darauf, dass ich mich nicht mit anderen Energien verbinde, sondern in meiner eigenen Energie zuhause bin. Deshalb muss ich mich auch nicht von Energien wieder lösen. So ist mein Energiefeld immer klar.
Ein Vermischen von Energien bewirkt immer, dass die Wahrnehmung verlangsamt und verzerrt wird. Ein Energiefeld eines Menschen kann ich nur dann ganz erfassen, wenn ich meine Energie bei mir habe, denn nur so kann ich die Energie des Menschen sehen, den ich betrachte.
Wie entwickeln sie Ihre Arbeit weiter - wie bilden sie sich weiter?
Meine Weiterbildung ist das tägliche Leben, meine tägliche Arbeit. Ich sehe jeden Tag so viele neue Konstellationen, dass ich jeden Tag mit neuen Situationen konfrontiert werde. Was gibt es Besseres als die praktische Weiterbildung? Weiter ist es auch so, dass jedes Energiefeld seine eigenen Regeln hat, die sich ändern können.
Deshalb kann man in diesem Sinne die Energiearbeit nicht lernen, sondern man kann nur lernen zu sehen und die aktuellen Regeln des Energiefeldes zu erkennen. Das Energiefeld eines Menschen ist nicht mit einem Körper zu vergleichen, wo man die Anatomie, die Physiologie und Pathologie lernen kann, dafür unterscheiden sich die Energiefelder und vor allem die Wechselwirkungen und dynamischen Prozesse viel zu stark voneinander.


