Gespräche
Wieso verstehst du mich nicht?

Sind Sie sich Ihrer Sache sicher?

Kürzlich in einer Gesprächssendung im Fernsehen: Schawinski und Blocher. Der bekannteste TV-Talker des Landes spricht mit dem berühmtesten Politiker der Schweiz. Oder besser gesagt: Sie reden aneinander vorbei. Der eine fragt, der andere fragt zurück. Der eine stellt eine These in den Raum, der andere kontert mit einem ganz anderen Sachverhalt. Keiner geht auf den anderen ein. Es ist kein Gespräch, es ist ein Zweikampf.

Warum hat sich das Gespräch so entwickelt? Die beiden Teilnehmer wollten von Anfang ganz unterschiedliche Dinge. Es ging ihnen nicht darum, den andern zu verstehen oder den Zuschauern durch einen konstruktiven Austausch Fakten zu liefern. Jeder wollte einfach die eigene Haltung aussprechen und vor dem Publikum besser dastehen als das Gegenüber. Zwei Alpha-Tiere im Duell.

Wie verhalten wir uns selbst in Gesprächen? Wollen wir die Meinung des andern kennenlernen oder geht es darum, die eigene Position zu schützen? Wollen wir um jeden Preis Recht behalten oder etwas Neues lernen? Das hängt auch davon ab, welchem Zweck ein Dialog dient. Ein Gespräch am Feierabend unter Freunden steht unter ganz anderen Vorzeichen als die Lohnverhandlungen mit dem Chef. Aber eines ist jedem Gespräch gemeinsam: immer haben wir es mit einem «Resonanzkörper» zu tun. Was wir sagen, kommt beim Gegenüber nicht zwingend so an, wie wir es wollen. Denn jeder hat seine eigene Geschichte, seine Werte, seine Haltung, jeder vertritt seine Interessen. Das gilt es zu akzeptieren.

Was der andere denkt und sagt, können wir nicht beeinflussen. Wir haben aber bessere Karten in einem Dialog, wenn wir selbst unserer Sache sicher sind und wissen, was wir wollen. Was bezwecke ich mit meinen Argumenten? Was ist mir wichtig, und wo mache ich Zugeständnisse? Sind meine Behauptungen belegbar? Und spüre ich, wann wir in einer Sackgasse sind und das Gespräch keinen Sinn mehr macht?