Ich sehe Dich!
Siehst Du Dich auch?

Ich sehe Dich! Siehst Du Dich auch?

Wen sehen Sie im Spiegel?

Ich kenne Dich besser als Du dich kennst! Haben Sie diese Aussage schon einmal von einem Menschen gehört? Eine normale Reaktion wäre zu denken: ja, ja genau. In den meisten Fällen denken Sie richtig. Es kann aber durchaus auch Ausnahmen geben!

Das Phänomen der Hypersensibilität ist wissenschaftlich noch sehr spärlich erforscht. Erst Ende der neunziger Jahre wurden erste wissenschaftliche Grundlagen geschaffen. Diese Disziplin steckt also noch in den Kinderschuhen.

Schätzungen zufolge sind in etwa 15–20 % aller Personen davon betroffen. Sie sind also täglich von sehr vielen „Überempfindlichen“ umgeben. Erste wissenschaftliche Erkenntnisse zeichnen ein sehr spannendes Bild: Hypersensibilität geht sehr oft mit einer ausgeprägten Empathie einher. Mit anderen Worten: Hypersensible Menschen haben ausgesprochen feine Antennen, was die Gemütslage und das Wesen eines Gegenübers betrifft. Sie nehmen nicht unbedingt mehr Reize auf als andere. Vielmehr ist die Filterfunktion des Hirns, welches über die Wichtigkeit von Informationen entscheidet, ein wenig gröber eingestellt als bei anderen Menschen. Somit haben hypersensible Menschen mehr Informationen und Eindrücke zu verarbeiten als andere. Das erschwert das einfache Treffen von Entscheidungen erheblich, da oft viele verschiedene Sinneswahrnehmungen involviert sind.

Unverstandene Empathie - Profis

Was auf den ersten Blick durchweg negativ zu sein scheint, hat aber auch gute Seiten:

Die ausgeprägte Empathie lässt Hypersensible andere besser verstehen. Deren Emotionen besser deuten. Man könnte sagen: Sie sind bessere Menschenkenner!

Wo Licht ist, da ist aber auch Schatten: Hypersensible Menschen messen Äusserungen oder vermeintlichen Gefühlslagen von anderen oft zu grosses Gewicht bei. Sie interpretieren diese als fundamental wichtig, obwohl sie vielleicht beiläufig und unbewusst geäussert wurden. Hypersensible Menschen tendieren dazu, aufgrund der vermeintlich korrekt interpretierten Informationen tief greifende emotionale Entscheidungen zu treffen.

Hypersensible sind oft einsam und ziehen sich zurück, um die so dringend benötigte Ruhe zu finden. Sie gelten als Querdenker und sind mit den geltenden gesellschaftlichen Normen oft nicht kompatibel! Stress ist für sie ein Graus, Ruhe ein Muss!

Dabei ist nicht klar ersichtlich, wer wirklich überfordert ist: die Gesellschaft an sich oder der Überempfindliche selbst!

Wenn Sie beim nächsten Mal mit einer Äusserung wie eingangs erwähnt konfrontiert werden, fragen Sie einmal nach! Es kann durchaus sein, dass Sie einem äusserst interessanten und aussergewöhnlichen Menschen gegenüberstehen: einem „Überempfindlichen“!