Abschied
Vom gewohnten Leben

Abschied vom gewohnten Leben

Vom schwierigen Gang ins Altersheim

Irgendwann kommt der Tag - zumindest für die meisten von uns. Wenn unsere Eltern ein Alter erreicht haben, in dem sie nicht mehr länger fähig sind, den Alltag alleine zu meistern, müssen alternative Lösungen gefunden werden. Spielt die Gesundheit mit, so gibt es verschiedene Möglichkeiten: Senioren-Wohngruppen, Spitex-Pflege, Altersheime oder die Betreuung durch Angehörige, um nur einige zu nennen. Ist die Person auf intensiveren Beistand angewiesen, bleibt meist nur noch der Weg in ein Pflegeheim.

Dem betroffenen Elternteil klarzumachen, dass er selbst nicht mehr fähig ist, das Leben alleine zu bestreiten, ist extrem schwierig. Und sehr emotional! Auf der einen Seite stehen die besorgten Kinder: Sie wollen das Beste für ihre Eltern, wollen sie in sicherer Obhut wissen. Auf der anderen Seite steht der betroffene Elternteil: Sich vom Zuhause zu lösen fällt schwer. Jahrelang war es ein sicherer Hafen, gab Identität und Geborgenheit, war Mittelpunkt des Lebens, Platz für sozialen Austausch. Und nun soll man sich quasi über Nacht von alledem verabschieden? Was kommt dann? Die Einsamkeit?

Diese Situation beängstigt Senioren im höchsten Masse. Alleine das Akzeptieren der Tatsache, dass es nicht mehr alleine geht, ist unfassbar schwierig und schmerzt. Dieser Schritt bedeutet auch das Einläuten der letzten Phase des Lebens und ist Vorbereitung auf das Unausweichliche: der Tod!

Wenn Kinder über das Leben der Eltern entscheiden müssen

In der Regel müssen in letzter Instanz die erwachsenen Kinder diese finale Entscheidung treffen – in Zusammenarbeit mit Ärzten und dem Betroffenen selbst. Dass diese Entscheidung vom Betroffenen oft nicht goutiert wird ist nachvollziehbar. Ältere Menschen können dann sehr verletzend werden. Für die Kinder, die jahrelang um das Wohl ihrer Eltern besorgt waren, ist das häufig sehr demütigend!

Ich begleite viele Erwachsene, die sich in einer solchen Situation befinden, und versuche, sie und ihre Eltern für diesen schwierigen Gang zu stärken. Umso mehr freut es mich, wenn ich positive Rückmeldungen bekomme. Wenn das Leiden der Betroffenen erträglicher wird, wenn sie trotz aller Widrigkeiten den Lebensmut behalten und sich nicht komplett aufgeben.

Können sich die erwachsenen Kinder emotional besser abgrenzen, dann habe ich meine Arbeit richtig gemacht. Diese Fähigkeit erleichtert die Situation, nimmt Druck und Unsicherheit.

Und sie gibt Kraft für die nächste grosse Prüfung des Lebens: den Abschied von den Eltern!