Kreise am Himmel
Helikoptereltern

Kreise am Himmel - Helikoptereltern

Wie aus dem kleinen Prinzen ein Narzist werden kann

Helikoptereltern. Diesem Begriff begegnet man in den Medien immer häufiger. Als ich ihn zum ersten Mal hörte, musste ich zweimal lesen. Helikoptereltern, was für ein lustiges Wort. Lehrkräfte, Schulbehörden und Ausbilder jedoch sind davon weit weniger begeistert!

Eltern wollen ihre Kinder beschützen. Beschützen vor negativen Einflüssen, vor Schmerzen, vor Stress. Denn ihre Prinzessinnen und Prinzen sind etwas ganz Besonderes und Einzigartiges! Soweit alles im grünen Bereich und total normal. Wer will schon, dass sein Kind leidet?

Wenn Eltern ihre Kinder aber partout vor jeder Konfrontation schützen wollen, hat das einen unangenehmen Nebeneffekt. Anstatt sie zu eigenständigen, starken Menschen zu erziehen, werden die Kinder unsicher und schwach. Mit fortgeschrittenem Alter haben sie dann grosse Probleme, ihre Interessen durchzusetzen, sich zu wehren und für die eigenen Werte einzustehen. Ganz einfach, weil die Eltern diesen wichtigen Teil in der Kindheit für sie übernommen haben und weil sie niemals lernen durften, Konflikte selbst auszutragen, zu scheitern, danach wieder aufzustehen und es noch einmal zu probieren!

Jugendpsychologen zufolge ist noch eine weitere Tendenz festzustellen: Kinder und Jugendliche leiden zunehmend an narzistischen Störungen. Auch diese haben ihre Wurzeln oft in der Erziehung. Hört das Kind immer wieder, wie speziell es ist, was es so viel besser kann als alle anderen und um wieviel schöner, schlauer und gescheiter es ist, so färbt das ab. Ein Zuviel genauso wie ein Zuwenig an Fürsorge im Alter zwischen drei und sechs Jahren kann eine narzistische Persönlichkeitsstörung auslösen.

Die Dosis macht das Gift

Wie immer gilt auch in der Erziehung: Die Dosis macht das Gift! Dass Sie alle nur das Beste für Ihr Kind wollen, ist legitim. Dieses zu einem unselbstständigen Wesen mit hoffnungsloser Selbstüberschätzung zu erziehen, kann aber nicht das Ziel sein.

Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es Fehler machen darf. Machen Sie ihm mit Taten klar, dass Sie es auch dann kompromisslos lieben, wenn es nicht täglich mit Höchstleistungen glänzt. Auch Scheitern soll gelernt sein und muss einen Platz im Leben haben dürfen.

Das „Scheitern dürfen“ nimmt Ihrem Kind die Unsicherheit. Es kann sich sicher sein, dass Mama und Papa es immer lieben werden, egal, was kommen mag. Diese Erkenntnis gibt Ihrem Kind die nötige emotionale Geborgenheit, um ein selbstsicheres, glückliches Leben führen zu können.

Setzen Sie Ihr Kind nicht mit projizierter und überhöhter Erwartungshaltung unter Druck. Es wird Ihnen nicht gerecht werden können und diese Frustration mit einem imaginären „Supermann-Ego“ kompensieren wollen: der Anfang einer narzistischen Persönlichkeitsstörung!